
| 10.12.00 - Hamburger Abendblatt
Von MARLIES FISCHER
Hamburg - Kronprinz Alexander II. von Jugoslawien hat an die neue politische Führung in Belgrad appelliert, Geschlossenheit zu zeigen. "Die aus 18 Parteien bestehende frühere Opposition muss jetzt zusammen stehen, einen vernünftigen Plan für den Wiederaufbau der Zivilgesellschaft entwickeln und ihr Bestes für die Menschen geben, ungeachtet deren ethnischer oder religiöser Zugehörigkeit", sagte der 55-Jährige, der als Angehöriger des Hauses Karadjordjevic rechtmäßiger Erbe des serbischen Throns ist, dem Abendblatt aus seinem Londoner Exil.
Der Prinz hat zwar nie in Serbien und Montenegro gelebt, aber die Entwicklung dort über die Jahre verfolgt. Immer wieder verurteilte er das Regime Milosevic und hielt Kontakt zur ehemaligen Opposition. Über die aktuellen Entwicklungen ist er sehr erfreut. "Ich fühle mit den Menschen, die jetzt glücklich sind und eine wirklich demokratische Zukunft unter Achtung der Menschenrechte haben möchten."
Am Sonntag werden Alexander und seine Frau Prinzessin Katherine nach Belgrad fliegen. "Wir werden Präsident Kostunica beglückwünschen und von ihm aus erster Hand alles über die Entwicklungen in Jugoslawien und seine Gespräche auf dem EU-Gipfel in Biarritz erfahren", so der Prinz. Er wolle sich aber nicht in den Veränderungsprozess einmischen, sondern diesen unterstützen. "Ich werde alles tun, um zu helfen, Spenden sammeln und meine vielfältigen Kontakte in Wirtschft und Politik nutzen."
Der Londoner Geschäftsmann ist immer noch beeindruckt, wie schnell das alte Regime gekippt wurde. "Jetzt bringt jeden Tag neue dramatische Veränderungen. Ich freue mich über die Aufhebung der EU-Sanktionen und den Rücktritt einzelner Regierungsmitglieder." Besorgt ist er über die lückenhafte Infrastruktur, weil Straßen und Brücken zum Beispiel im vergangenen Jahr durch die NATO-Bomben zerstört wurden. Das Gesundheits-, Sozial- und Rentensystem sei nicht funktionsfähig oder kaum vorhanden. "Um all das muss sich die neue Führung kümmern, die Liste ist nahezu endlos. Es gibt zwar noch viele Hürden, aber es wird von Tag zu Tag besser", ist der Prinz überzeugt.
Von einer Überstellung Milosevics ans Kriegsverbrechertribunal nach Den Haag hält Alexander wenig. "Milosevic hat unzählige Verbrechen begangen, aber er sollte nach einer grundlegenden Justizreform im eigenen Land zur Verantwortung gezogen werden."
Sieht der Patensohn der britischen Queen eine Chance, König in Belgrad zu werden?"Eine konstitutionelle Monarchie würde ein gutes Bindeglied für alle gesellschaftlichen und politischen Kräfte in Jugoslawien sein. Ich habe durchaus viele Anhänger, aber die Hauptsache ist jetzt die Krönung der Demokratie." |
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