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Pro DIE WELT Aussenpolitik Manfred Pantförder
Interview mit dem serbischen
Kronprinzen Aleksandar II. aus dem Geschlecht
Karadjordjevic
Kronprinz Aleksandar II. möchte
König der Serben werden
Von Susanne Simon
Belgrad, 26. Mai –
WELT: Montenegro hat für die
Unabhängigkeit von Serbien gestimmt. Und Sie treten
erstmals öffentlich für die konstitutionelle
Monarchie in Serbien ein.
Kronprinz Aleksandar II: Die
Entscheidung Montenegros macht mich traurig. Aber
natürlich akzeptiere und respektiere ich das
Wahlergebnis, und wünsche unseren montenegrinischen
Brüdern und Schwestern alles Gute und viel Glück für
ihre Zukunft. Für Serbien sehe ich eine Chance, sich
neu zu orientieren. Zu viel Blut floss in den
letzten Jahrzehnten. Serbien wurde von Diktaturen
regiert, erst unter dem Tito-Regime des ehemaligen
Jugoslawiens, und dann unter Slobodan Milosevic. Die
Oktober-Revolution, die Serbien die langersehnte
Demokratie brachte, ist keine sechs Jahre her. Ich
habe seither die Regierungen beobachtet, und muss
sagen, die Ergebnisse könnten besser sein.
WELT: Eine konstitutionelle
Monarchie hätte also mehr erreichen können?
Kronprinz Aleksandar II: Ich
meine, ja. Wir müssen unseren Stolz zurückgewinnen,
und wieder in Frieden mit uns selbst und unseren
Nachbarn leben. Wie schon zur Zeit meines
Urgrossvaters König Petar I. - als wir zwischen 1903
und 1921 ein stolzes, respektiertes und glückliches
Königreich waren.
WELT: König Petar I. kehrte
1903 nach über vierzig Jahren im Exil zurück in
seine Heimat. Sie wurden in London geboren, und
zogen erst vor knapp sechs Jahren nach Serbien.
Kronprinz Aleksandar II: Ich wäre
gern eher gekommen, aber die Kommunisten hätten das
nicht zugelassen.
WELT: Heute ist Serbien eines
der Schlusslichter Europas.
Kronprinz Aleksandar II: Sehr zu
meinem Bedauern. Die konstitutionelle Monarchie
könnte Serbien Aufschwung geben, wie einst in
Spanien, als nach der Franko-Diktatur König Juan
Carlos den Thron bestieg. Mit einer modernen
konstitutionellen Monarchie, wie sie übrigens auch
in Grossbritannien, Schweden, Holland oder Belgien
besteht, wurde Spanien nach all den Problemen der
Franko-Zeit schnell zu einer stabilen Demokratie. In
einer konstitutionellen Monarchie werden das
Parlament und die Regierung, wie in einer Republik,
vom Volk gewählt. Staatsoberhaupt ist der König, der
die unterschiedlichen Parteien respektiert, aber
selbst keiner Partei angehört.
WELT: Um in Serbien die
konstitutionelle Monarchie einzuführen müssten nach
der derzeitigen Verfassung zweidrittel der
Parlamentarier dafür stimmen. Wie stehen die Chancen?
Kronprinz Aleksandar II: Die
Verfassung in Serbien stammt noch aus der Slobodan
Milosevic Zeit von 1990. Es ist dringend notwendig,
sie zu ändern. Vor allem jetzt bei der Auflösung des
Staatenbundes Serbien-Montenegros. Mein Büro hat die
spanische Verfassung gerade ins serbische übersetzen
lassen und sie an die serbische Regierung
weitergeleitet.
WELT: Sind die serbischen
Parlamentarier offen für Ihre Idee einer
konstitutionellen Monarchie?
Kronprinz Aleksandar II: Seit dem
Sturz von Slobodan Milosevic im Herbst 2000 lebe ich
in Serbien. Seither treffe ich mich mit den
regierenden und oppositionellen Politikern. Noch nie
waren sie für meinen Vorschlag so offen, wie jetzt.
Vielleicht liegt es daran, dass 2006 ein sehr
schweres Jahr für Serbien ist. Der Verlust von
Montenegro, die andauernden Status-Verhandlungen mit
der südserbischen Provinz Kosovo und die
gescheiterten Stabilisierungs- und
Assoziierungsgespräche mit der EU.
WELT: Weil man den
vermeintlichen Kriegsverbrecher Ratko Mladic noch
immer nicht ans Haager Kriegsverbrechertribunal
ausgeliefert hat. Sie sagten, dass eine
konstitutionelle Monarchie Serbien am schnellsten
den Weg in die EU weise. Angenommen Sie wären schon
König, sässe dann Ratko Mladic bereits in seiner
Scheveninger Zelle?
Kronprinz Aleksandar II: Der
König steht einerseits über den tagespolitischen
Geschehnissen, und andererseits beschützt er das
öffentliche Interesse. Dass die Zusammenarbeit mit
dem Haager Kriegsverbrechertribunal im Fall Ratko
Mladic scheiterte, ist ein schwerer Schlag für das
öffentliche serbische Interesse. Denn die Mehrzahl
der Bürger wünscht sich ein besseres Leben, mit
gesicherten Arbeitsplätzen und einer Zukunft für
ihre Kinder. Die Serben möchten schnell in die EU.
Viele der 8,5 Millionen Bürger fühlen sich nun als
Geisel wegen der gescheiterten Auslieferung eines
vermeintlichen Kriegsverbrechers.
WELT: Was schlagen Sie also
vor?
Kronprinz Aleksandar II: Die
internationale Gemeinschaft darf Serbien nicht
weiter isolieren. Deutschland hatte nach dem Zweiten
Weltkrieg die Nürnberger Prozesse. Trotzdem blieben
einige Kriegsverbrecher flüchtig. Hat man deshalb
der Bundesrepublik den Weg in die Nato, in die
Europäische Union versperrt? Heute ist Deutschland
eine Vorzeige-Demokratie. Und: Deutschland wurde
wiedervereint.
WELT: Sie möchten gern König
der Serben werden. Sind Sie auch traurig, wie im
Fall Montenegros, dass die bosnische Serbenrepublik
nicht zu Serbien gehört?
Kronprinz Aleksandar II:
Natürlich akzeptiere ich die Grenzen
Bosnien-Hercegovinas. Ich fahre oft hin und spreche
mit den Menschen. In der bosnischen Serbenrepublik
identifizieren sich viele eher mit dem Land Serbien
als mit Bosnien-Hercegovina. Die Zukunft wird zeigen,
ob unser Nachbarland die derzeitigen Grenzen noch
aufweisen wird.
WELT: Ihre Königliche Hoheit
Kronprinz Aleksandar II., wann werden Sie König von
Serbien?
Kronprinz Aleksandar II: (lacht)
Ich hoffe, sehr bald.
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